Maschinen & Komponenten

Shredder Dimensionierung: Leistung, Drehmoment berechnen

Ein Shredder mit 30 kW Antriebsleistung zerkleinert 2 t/h Weich-PVC problemlos – aber bei 500 kg/h glasfaserverstärktem Kunststoff geht er in die Knie. Warum? Weil nicht die Leistung allein entscheidet, sondern das Zusammenspiel aus Drehmoment, Drehzahl, Messergeometrie und Materialwiderstand.

Die richtige Dimensionierung ist für KMU besonders kritisch: Zu klein dimensioniert, steht die Anlage bei härteren Chargen still. Zu groß, zahlen Sie jahrelang für ungenutztes Potenzial bei Anschaffung, Energie und Wartung. Dieser Artikel zeigt Ihnen die systematische Auslegung mit konkreten Formeln, Kennwerten und drei durchgerechneten Praxisbeispielen.

📌 TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • Grundformel: P = M · n / 9550 (Leistung in kW, Drehmoment in Nm, Drehzahl in U/min)
  • Typische KMU-Leistungen: 15-55 kW für Zweiwellen, 30-90 kW für Vierwellen, 22-110 kW für Schneidmühlen
  • Drehmoment vor Leistung: Bei langsam laufenden Shreddern (15-80 U/min) ist hohes Drehmoment wichtiger als reine kW-Zahl
  • Spezifischer Energiebedarf: 10-30 kWh/t für Kunststoffe, 5-15 kWh/t für Holz, 30-80 kWh/t für Metalle
  • Sicherheitsfaktor: Mindestens 1,3-1,5 auf den berechneten Wert – Material variiert, Spitzen kommen vor
  • Häufigster Fehler: Nur auf Durchsatz-Angaben des Herstellers vertrauen – diese gelten oft für optimales Material

Die drei Grundfragen vor jeder Dimensionierung

Bevor Sie eine einzige Formel anwenden, müssen drei Fragen beantwortet sein. Diese bestimmen alle weiteren Parameter:

  1. WAS wird zerkleinert? (Material, Dichte, Festigkeit, Zähigkeit, Feuchtigkeit, Verunreinigungen)
  2. WIE VIEL pro Stunde? (Durchsatz in kg/h oder t/h)
  3. WIE KLEIN soll es werden? (Zielkorngröße in mm)

Die Antworten beeinflussen sich gegenseitig: Feinere Zielkorngröße erfordert mehr Energie pro Tonne. Härteres Material reduziert den Durchsatz bei gleicher Leistung. Feuchtes Material verklumpt und verstopft Siebe – hier helfen weder mehr Leistung noch größere Maschinen, sondern Prozessanpassungen.

Dimensionierungs-Dreieck: Material – Durchsatz – Korngröße Dreieck zeigt die drei Grundfragen der Shredder-Dimensionierung und deren gegenseitige Beeinflussung: Material (oben), Durchsatz (links unten), Korngröße (rechts unten). Pfeile zwischen den Ecken zeigen Wechselwirkungen. MATERIAL DURCHSATZ KORNGRÖSSE Härteres Material → weniger Durchsatz Zähes Material → gröberes Korn Feineres Korn → weniger Durchsatz WIE DIMENSIONIEREN? → Alle 3 Faktoren beachten

Dreiecksdiagramm: Material ↔ Durchsatz ↔ Korngröße mit Pfeilen, die zeigen wie sich Änderungen auswirken

Materialspezifische Kennwerte – Die Basis jeder Berechnung

Jedes Material hat charakteristische Zerkleinerungseigenschaften. Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte für den spezifischen Energiebedarf – also wie viel elektrische Energie pro Tonne Material benötigt wird:

MaterialEnergiebedarf [kWh/t]Bemerkung
Weich-PVC, PE-Folie8-15Wickelgefahr bei Folien
Hart-PVC, PP, PS15-25Standardmaterial
GFK, CFK25-45Hoher Messeverschleiß
Holz (trocken, <15 % Feuchte)5-12Gut zerkleinerbar
Holz (feucht, >30 % Feuchte)12-20Verstopfungsgefahr
Papier, Karton3-8Staubentwicklung
Aluminium (dünnwandig)20-40Verklumpt leicht
Stahl (Späne, dünn)40-80Hoher Verschleiß
E-Schrott15-35Stark materialabhängig

💡 Faustregel: Der spezifische Energiebedarf steigt mit der Materialfestigkeit und der geforderten Feinheit. Halbierung der Zielkorngröße bedeutet typischerweise 30-50 % mehr Energiebedarf pro Tonne.

Die zentrale Formel: Leistung, Drehmoment, Drehzahl

Die Grundbeziehung zwischen den drei Antriebsparametern lautet:

P = M · n / 9550

Dabei ist:

  • P = Leistung [kW]
  • M = Drehmoment [Nm]
  • n = Drehzahl [U/min]
  • 9550 = Umrechnungsfaktor (exakt: 60.000 / 2π)

Umgestellt ergibt sich:

  • Drehmoment: M = P · 9550 / n
  • Drehzahl: n = P · 9550 / M

💡 Berechnungsbeispiel: Drehmoment bei verschiedenen Drehzahlen

Gegeben: Antriebsleistung P = 30 kW

Berechnung für verschiedene Shredder-Typen:

Zweiwellen-Shredder (n = 30 U/min):
M = 30 · 9550 / 30 = 9.550 Nm

Vierwellen-Shredder (n = 60 U/min):
M = 30 · 9550 / 60 = 4.775 Nm

Schneidmühle (n = 600 U/min):
M = 30 · 9550 / 600 = 478 Nm

Erkenntnis: Gleiche Leistung, aber 20× mehr Drehmoment beim Zweiwellen-Shredder gegenüber der Schneidmühle. Das erklärt, warum Zweiwellen-Shredder auch schwere Störstoffe verkraften.

Drehmoment-Drehzahl-Diagramm für verschiedene Shredder-Typen Diagramm zeigt die typischen Arbeitsbereiche von Zweiwellen-Shreddern (hohes Drehmoment, niedrige Drehzahl), Vierwellen-Shreddern (mittlerer Bereich) und Schneidmühlen (niedriges Drehmoment, hohe Drehzahl) bei konstanter Leistung von 30 kW. Drehzahl n [U/min] Drehmoment M [Nm] 0 100 200 400 800 1200 1500 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 P = 30 kW Zweiwellen 15-80 U/min Hohes Moment Vierwellen 40-100 U/min Mittelbereich Schneidmühle 300-1500 U/min Niedriges Moment 30 U/min 9.550 Nm 60 U/min 4.775 Nm 600 U/min, 478 Nm Legende P = 30 kW (konstant) Zweiwellen Vierwellen Schneidmühle

Diagramm mit drei Achsen: Leistung (kW), Drehmoment (Nm), Drehzahl (U/min) – mit eingezeichneten Bereichen für verschiedene Shredder-Typen

Shredder-Typen und ihre typischen Kennwerte

Verschiedene Shredder-Typen haben charakteristische Arbeitsbereiche. Die Wahl des richtigen Typs ist oft wichtiger als die exakte Leistungsberechnung:

Shredder-TypDrehzahl [U/min]Leistung KMU [kW]Stärke
Einwellen-Shredder60-12015-75Gleichmäßiges Korn, Folien
Zweiwellen-Shredder15-8015-55Störstoffe, gemischte Materialien
Vierwellen-Shredder40-10030-90Feine Korngröße in einem Schritt
Schneidmühle300-150022-110Sehr feine Korngröße, homogen

Die detaillierten Unterschiede zwischen den Bauarten – inklusive Aufbau von Welle, Messern und Lagerung – beeinflussen die Dimensionierung erheblich.

Durchsatzberechnung: Von der Theorie zur Praxis

Die theoretische Durchsatzberechnung folgt der Formel:

Q = P / Espez

Dabei ist:

  • Q = Durchsatz [t/h]
  • P = Antriebsleistung [kW]
  • Espez = Spezifischer Energiebedarf [kWh/t]

💡 Berechnungsbeispiel: Durchsatz für Kunststoff-Recycling

Gegeben:
Shredder mit P = 37 kW
Material: Hart-PVC (Espez = 20 kWh/t)
Zielkorngröße: 30 mm

Berechnung:
Q = 37 kW / 20 kWh/t = 1,85 t/h

Praxiskorrektur:
Der theoretische Wert gilt für optimale Bedingungen. In der Praxis reduzieren Schwankungen in Materialzusammensetzung, Zuführung und Anlagenverfügbarkeit den effektiven Durchsatz um 15-30 %.

Effektiver Durchsatz: 1,85 · 0,75 = 1,4 t/h (konservative Schätzung)

❌ Typischer Fehler: Herstellerangaben zum Durchsatz werden als Planungsgrundlage übernommen. Diese gelten aber oft für optimales, vorgebrochenes Material unter Laborbedingungen.

✅ Lösung: Durchsatzangaben des Herstellers um 20-40 % reduzieren für die Kapazitätsplanung. Besser: Referenzanlage mit gleichem Material besichtigen oder Testlauf vereinbaren.

Messer, Schneidspalt und Sieb – Die Feinabstimmung

Nach der Grundauslegung von Leistung und Drehmoment folgt die Feinabstimmung über:

Messeranzahl und -geometrie

Mehr Messer bedeuten mehr Schnitte pro Umdrehung – aber auch höhere Kosten und mehr Verschleißstellen. Die Messergeometrie und der Schneidspalt bestimmen maßgeblich die Schnittqualität und den Energiebedarf.

Richtwerte für die Messeranzahl:

  • Zweiwellen-Shredder: 20-60 Messer pro Welle (abhängig von Breite)
  • Einwellen-Shredder: 30-80 Messer am Rotor
  • Schneidmühle: 3-6 Rotormesser, 2-4 Statormesser

Schneidspalt

Der Schneidspalt zwischen Rotor- und Statormessern beeinflusst direkt:

  • Zu eng (<0,3 mm): Hoher Energiebedarf, Reibungswärme, schneller Verschleiß
  • Optimal (0,3-1,0 mm je nach Material): Sauberer Schnitt, moderate Energie
  • Zu groß (>2 mm): Quetschen statt Schneiden, unsaubere Kanten, Faserbildung

Siebgröße und Durchsatz

Bei Shreddern mit Sieb bestimmt die Lochgröße die maximale Korngröße des Outputs:

Sieblochung [mm]Typische AnwendungDurchsatz-Faktor*
80-120Vorzerkleinern, Volumenreduktion1,0 (Referenz)
40-60Nachzerkleinern, RDF-Produktion0,6-0,8
20-30Regranulat-Vorbereitung0,4-0,6
8-15Feinzerkleinerung0,2-0,4

*Durchsatz-Faktor: Relativer Durchsatz bezogen auf grobe Vorzerkleinern (= 1,0)

Relativer Durchsatz in Abhängigkeit von der Siebgröße Kurvendiagramm zeigt, wie der relative Durchsatz mit kleinerer Siebgröße exponentiell abnimmt. Bei 100 mm Sieb: 100 % Durchsatz, bei 50 mm: ca. 70 %, bei 20 mm: ca. 35 %, bei 10 mm: ca. 20 %. Siebgröße [mm] Relativer Durchsatz [%] 0 20 40 60 80 100 120 0 20 40 60 80 100 10 mm ~20 % 20 mm ~35 % 40 mm ~55 % 60 mm ~70 % 100 mm 100 % (Ref.) Faustregel: Halbierung der Siebgröße → ca. 30-40 % weniger Durchsatz

X-Achse: Siebgröße (mm), Y-Achse: Relativer Durchsatz (%), Kurve zeigt exponentiellen Abfall bei kleiner werdendem Sieb

Antriebsstrang: Motor, Getriebe, Kupplung

Die Dimensionierung des Antriebsstrangs muss auf den Shredder-Typ abgestimmt sein:

Motorauswahl

Drehstrom-Asynchronmotoren sind Standard für KMU-Shredder:

  • Kostengünstig und robust
  • Überlastfähigkeit: 2-3× Nennmoment kurzzeitig
  • Mit Frequenzumrichter: Drehzahlregelung 10-100 %

Hydraulikantriebe bei Anwendungen mit extremen Anforderungen:

  • Sehr hohes Anlaufmoment
  • Stufenlose Drehzahlregelung
  • Integrierter Überlastschutz (Druckbegrenzung)
  • Höhere Anschaffungs- und Wartungskosten

Getriebeauslegung

Für langsam laufende Shredder (15-80 U/min) ist ein Getriebe zwischen Motor (1450 oder 2900 U/min) und Welle erforderlich:

Übersetzungsverhältnis: i = nMotor / nWelle

💡 Praxis-Tipp: Das Getriebe-Nennmoment sollte mindestens das 1,5-fache des berechneten Betriebsmoments betragen. Shredder erzeugen Lastspitzen durch Fremdkörper, die kurzzeitig das 3-5-fache des Nennmoments erreichen können.

Kupplungen und Überlastschutz

Zwischen Getriebe und Welle sichern Schutzeinrichtungen die Anlage:

  • Rutschkupplung: Rutscht bei definiertem Moment durch, schützt vor Überlast
  • Scherstift-Kupplung: Bricht bei Überlast, erfordert Stiftwechsel
  • Elektronische Überwachung: Strombegrenzung, Reversieren bei Blockade

Die Werkstoffe der Antriebskomponenten – insbesondere der Wellen und Lager – müssen auf die Belastungen abgestimmt sein.

Drei komplette Dimensionierungsbeispiele

Beispiel 1: Kunststoff-Recycler (Produktionsabfälle)

💡 Auslegung: PP/PE-Mischkunststoff, 800 kg/h, Zielgröße 30 mm

Schritt 1: Spezifischen Energiebedarf bestimmen
PP/PE-Mischkunststoff: Espez ≈ 18 kWh/t

Schritt 2: Erforderliche Leistung berechnen
P = Q · Espez = 0,8 t/h · 18 kWh/t = 14,4 kW

Schritt 3: Sicherheitsfaktor einrechnen
Pinstalliert = 14,4 · 1,4 = 20 kW

Schritt 4: Shredder-Typ wählen
→ Einwellen-Shredder mit Sieb (gleichmäßige Körnung für Regranulierung)

Schritt 5: Empfohlene Konfiguration
Motor: 22 kW (nächste Normgröße)
Drehzahl: 80 U/min
Sieb: 30 mm Rundlochung
Arbeitsbreite: 800 mm

Ergebnis: Investition ca. 35.000-50.000 € für Komplettanlage

Beispiel 2: Holzverarbeiter (Restholz zu Hackschnitzeln)

💡 Auslegung: Restholz gemischt, 2 t/h, Zielgröße 50 mm

Schritt 1: Spezifischen Energiebedarf bestimmen
Restholz (teilweise feucht): Espez ≈ 10 kWh/t

Schritt 2: Erforderliche Leistung berechnen
P = 2,0 t/h · 10 kWh/t = 20 kW

Schritt 3: Sicherheitsfaktor (höher wegen Störstoffe)
Pinstalliert = 20 · 1,5 = 30 kW

Schritt 4: Shredder-Typ wählen
→ Zweiwellen-Shredder (toleriert Nägel, Schrauben im Altholz)

Schritt 5: Empfohlene Konfiguration
Motor: 2× 18,5 kW (37 kW total)
Drehzahl: 25 U/min
Ohne Sieb (definierte Korngröße durch Messerabstand)
Arbeitsbreite: 1200 mm

Ergebnis: Investition ca. 55.000-80.000 € für Komplettanlage

Beispiel 3: E-Schrott-Aufbereitung

💡 Auslegung: Kleingeräte-Schrott, 500 kg/h, Zielgröße 40 mm

Schritt 1: Spezifischen Energiebedarf bestimmen
E-Schrott (gemischt): Espez ≈ 28 kWh/t

Schritt 2: Erforderliche Leistung berechnen
P = 0,5 t/h · 28 kWh/t = 14 kW

Schritt 3: Sicherheitsfaktor (hoch wegen Materialvariation)
Pinstalliert = 14 · 1,6 = 22,4 kW

Schritt 4: Shredder-Typ wählen
→ Vierwellen-Shredder (definierte Endkorngröße, gute Aufschlussqualität)

Schritt 5: Empfohlene Konfiguration
Motor: 4× 7,5 kW (30 kW total)
Drehzahl: 50 U/min
Sieb: 40 mm
Arbeitsbreite: 600 mm

Zusätzlich erforderlich: Metalldetektor vor Shredder, Magnetabscheider nach Shredder

Ergebnis: Investition ca. 70.000-100.000 € für Komplettanlage

Entscheidungsbaum zur Shredder-Typ-Auswahl Flowchart zur Auswahl des richtigen Shredder-Typs basierend auf Material, Störstoffen und Zielkorngröße. Führt zu Empfehlungen für Zweiwellen-, Vierwellen-, Einwellen-Shredder oder Schneidmühle. START Störstoffe im Material? (Metall, Steine, Textilien) JA NEIN ZWEIWELLEN- SHREDDER 15-80 U/min, hohes Moment Toleriert Fremdkörper Zielkorngröße? (Output-Größe) >40 mm (grob) <40 mm (fein) EINWELLEN- SHREDDER 60-120 U/min, mit Sieb Gleichmäßiges Korn Einstufig möglich? (Material vorzerkleinert?) JA NEIN SCHNEIDMÜHLE 300-1500 U/min Sehr fein, homogen VIERWELLEN- SHREDDER 40-100 U/min, definiertes Korn Fein in einem Schritt Legende Frage Empfehlung Start/Ende

Flowchart: Material → Störstoffe? → Korngröße → Shredder-Typ-Empfehlung

Checkliste für die Shredder-Dimensionierung

Vor der Anfrage beim Hersteller sollten Sie diese Punkte klären:

  1. ☐ Material genau spezifizieren (nicht nur „Kunststoff“, sondern „PP-Spritzguss-Angüsse, 3-8 mm Wandstärke“)
  2. ☐ Durchsatz definieren (Spitze und Durchschnitt)
  3. ☐ Zielkorngröße festlegen (Minimum und Maximum)
  4. ☐ Störstoffe identifizieren (Metallteile? Steine? Textilien?)
  5. ☐ Materialfeuchte bestimmen (<15 % ideal)
  6. ☐ Anlagenverfügbarkeit planen (1-Schicht, 2-Schicht, 24/7?)
  7. ☐ Aufstellfläche und Hallenhöhe prüfen
  8. ☐ Elektrische Anschlussleistung sicherstellen
  9. ☐ Materialzu- und -abführung konzipieren
  10. ☐ Budget für Anlage UND Peripherie (Förderband, Bunker, Absaugung) kalkulieren

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie viel kW brauche ich pro Tonne Durchsatz?

Das hängt stark vom Material ab. Als grobe Orientierung: Weiche Kunststoffe 10-15 kW pro t/h, harte Kunststoffe 20-30 kW pro t/h, Holz 8-15 kW pro t/h, Metalle 40-80 kW pro t/h. Diese Werte gelten für mittlere Zielkorngrößen (30-50 mm). Für feinere Zerkleinerung rechnen Sie 30-50 % mehr.
Ist mehr Leistung immer besser?

Nein. Eine überdimensionierte Maschine hat höhere Anschaffungskosten, verbraucht im Teillastbetrieb überproportional Energie und verschleißt bei zu geringer Auslastung an anderen Stellen (Dichtungen, Lager durch häufiges Anlaufen). Die optimale Auslegung liegt bei 70-85 % durchschnittlicher Auslastung mit Reserve für Spitzen.
Warum ist das Drehmoment wichtiger als die Leistung?

Bei langsam laufenden Shreddern (15-80 U/min) entscheidet das Drehmoment über die Fähigkeit, schweres Material und Störstoffe zu bewältigen. Ein 30-kW-Motor bei 30 U/min liefert 20× mehr Drehmoment als bei 600 U/min. Hohe Drehmomentreserven verhindern Blockaden und Wellenbrüche – ein Thema, das wir im Artikel zu Wellenbrüchen im Shredder ausführlich behandeln.
Wie genau sind Herstellerangaben zum Durchsatz?

Vorsicht: Herstellerangaben beziehen sich oft auf optimale Testbedingungen – gleichmäßiges, vorgebrochenes Material, optimale Feuchtigkeit, kontinuierliche Zuführung. In der Praxis liegen reale Durchsätze 20-40 % unter den Katalogwerten. Fragen Sie nach Referenzanlagen mit vergleichbarem Material und vereinbaren Sie wenn möglich einen Testlauf.
Was kostet der Betrieb pro Tonne?

Die Betriebskosten setzen sich zusammen aus: Energie (30-50 %), Verschleißteile/Messer (20-35 %), Personal (15-25 %), Wartung/Instandhaltung (10-15 %). Bei Stromkosten von 0,25 €/kWh und einem spezifischen Energiebedarf von 20 kWh/t liegen allein die Energiekosten bei 5 €/t. Mit Verschleiß, Personal und Wartung sind 10-25 €/t realistisch.
Ab welcher Menge lohnt sich ein eigener Shredder?

Als Faustregel: Ab 500-1.000 t/Jahr ist ein eigener Shredder wirtschaftlich interessant. Darunter ist externe Lohnzerkleinerung meist günstiger. Rechnen Sie: (Mengen × Lohnkosten extern) vs. (Investition + Betriebskosten + Kapitalbindung). Die Amortisation liegt typischerweise bei 2-4 Jahren.

📚 Quellen und weiterführende Literatur

  • VDI 3405 Blatt 3 – Recycling von Kunststoffen
  • Roloff/Matek – Maschinenelemente: Antriebsauslegung
  • Schubert, H. – Handbuch der mechanischen Verfahrenstechnik (Wiley-VCH)
  • Herstellerkataloge: WEIMA, Vecoplan, UNTHA, Lindner (für Kennwerte)

⚖️ Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine verbindliche Auslegungsanleitung dar. Die genannten Richtwerte sind Erfahrungswerte und können je nach konkreter Anwendung erheblich abweichen.

Haftungsausschluss:

  • Die Anwendung der beschriebenen Berechnungen erfolgt auf eigenes Risiko.
  • Für konkrete Anlagenauslegung konsultieren Sie bitte qualifizierte Fachingenieure und Maschinenhersteller.
  • Herstellerangaben und technische Daten können abweichen – verwenden Sie aktuelle Datenblätter.
  • DS Werk und der Autor übernehmen keine Haftung für Schäden, die aus der Anwendung der Informationen entstehen.

Die endgültige Dimensionierung sollte immer durch den Maschinenhersteller auf Basis Ihrer konkreten Anforderungen erfolgen.

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