−12 Prozent im Februar, −8 Prozent im Drei-Monats-Schnitt, und ein weiteres Exportminus von 8–9 Prozent für 2026 in den USA prognostiziert: Die aktuellen VDMA-Zahlen zeichnen ein klares Bild. Der deutsche Maschinenbau steckt in einer anhaltenden Auftragsflaute — verschärft durch US-Zölle, die seit dem 5. April für viele Unternehmen nochmals teurer geworden sind.
Was steckt hinter den Zahlen — und was bedeutet das konkret für den Sondermaschinenbau?
Die VDMA-Zahlen im Detail
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat Anfang April 2026 die Auftragseingangszahlen für Februar veröffentlicht. Das Ergebnis ist deutlich:
| Markt | Februar 2026 | 3-Monats-Schnitt (Dez–Feb) |
|---|---|---|
| Gesamt | −12 % | −8 % |
| Inland | −16 % | −6 % |
| Ausland gesamt | −11 % | −8 % |
| Euro-Partnerländer | +6 % | — |
| Nicht-Euro-Länder | −17 % | — |
Das einzige positive Signal: Euro-Partnerländer legen im Februar um 6 Prozent zu. Der Rest des Auslandsgeschäfts — vor allem Nicht-Euro-Länder und damit auch die USA — bricht ein. VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt nennt als Hauptursachen neben den US-Zöllen auch geopolitische Unsicherheiten und das schwache globale Investitionsklima.
US-Zölle: Was genau gilt seit April 2026
Seit dem 5. April gelten für Maschinenexporte aus der EU in die USA folgende Sätze:
- 15 % Basisniveau auf EU-Maschinen und Anlagen
- 50 % auf Stahl und Aluminium sowie bestimmte Derivate
- Betroffen: ca. 40 % der deutschen Maschinenlieferungen in die USA
Zum Vergleich: Die USA sind der wichtigste Einzelmarkt für den deutschen Maschinenbau. 2025 wurden Maschinen und Anlagen im Wert von 25,2 Milliarden Euro in die USA exportiert — das entspricht rund 12,7 % der gesamten deutschen Maschinenexporte von 198,5 Milliarden Euro. Und dieser Markt schrumpfte 2025 bereits um 8 % — für 2026 wird ein weiteres Minus von 8–9 % erwartet.
Die 15 % Zoll sind nur der sichtbare Teil. Was viele Maschinenbauer unterschätzen: Große Sondermaschinen bestehen aus Tausenden Einzelteilen. Für jedes Teil muss beim Lieferanten Wert und Ursprungsland angefragt sowie der exakte Metallgehalt dokumentiert werden — für die US-Zollbehörde. Der administrative Aufwand trifft KMU besonders hart, die keine eigene Zollrechtsabteilung haben.
Was das für den Sondermaschinenbau bedeutet
Ich sehe in meiner Praxis im Sondermaschinenbau zwei unterschiedliche Reaktionen auf die aktuelle Lage. Die erste: Abwarten, Kapazitäten reduzieren, Kosten sparen. Die zweite — und aus meiner Sicht klügere: Die Auftragsflaute nutzen um Prozesse zu optimieren, Rückstände bei Dokumentation und Normierung aufzuholen, und Kundenprojekte vorzubereiten die bei einem Auftragseingang sofort umsetzbar sind.
Konkret sehe ich drei Bereiche wo Sondermaschinenbauer jetzt aktiv werden sollten:
Der einzige positive Datenpunkt aus den VDMA-Zahlen ist kein Zufall: Euro-Partnerländer legen zu, Nicht-Euro-Länder brechen ein. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen im Euro-Raum weniger von geopolitischen Zollrisiken betroffen sind und weiter investieren. Für den Sondermaschinenbau bedeutet das: Wer bisher stark auf US-Exporte gesetzt hat, sollte den europäischen Markt gezielt ausbauen — Frankreich, Polen, Österreich und die Benelux-Staaten zeigen derzeit stabile Nachfrage.
Ich glaube nicht, dass die US-Zölle in absehbarer Zeit verschwinden — eher werden sie das neue Normal. Maschinenbauer die jetzt ihre US-Abhängigkeit reduzieren und gleichzeitig ihre Fertigungseffizienz verbessern, werden gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Wer dagegen nur auf eine politische Lösung wartet, verliert Zeit.
Was mich am meisten überrascht: Die Bürokratiebelastung durch die Zollnachweise wird in der öffentlichen Diskussion kaum erwähnt — dabei trifft sie KMU mit 20–100 Mitarbeitern oft härter als der Zollsatz selbst.
Zur Frage wie US-Zölle die Materialkosten und Lieferketten konkret beeinflussen: US-Zölle 2026: Was Maschinenbauer jetzt wissen und tun müssen.
Ausblick: Was kommt als nächstes?
Die VDMA-Prognose für 2026 ist vorsichtig optimistisch: 52 % der befragten Unternehmen erwarten nominales Umsatzwachstum, fast 30 % rechnen mit Stagnation. Das ist kein Einbruch — aber auch keine Erholung. Für den Sondermaschinenbau gilt wie immer: Die Auftragslage kann sich schnell drehen, sobald eine größere Investitionsentscheidung bei einem Schlüsselkunden fällt.
Was ich für das zweite Halbjahr 2026 erwarte: Wenn die Zollverhandlungen zwischen EU und USA Fortschritte zeigen — was derzeit alles andere als sicher ist — könnte die Exportstimmung schnell kippen. Bis dahin bleibt der Fokus auf dem europäischen Binnenmarkt und auf Effizienzgewinnen in der eigenen Produktion.
Quellen
- VDMA: Auftragseingang im Maschinenbau — Februar 2026, veröffentlicht April 2026 (vdma.eu)
- produktion.de: „Auftragseingang im Maschinenbau sinkt im Februar 2026 deutlich“ (produktion.de)
- Maschinenmarkt / Vogel: „Maschinenbau: Aufträge im Februar 2026 um 12 % gesunken“ (maschinenmarkt.vogel.de)
- GTAI: Wirtschaftsausblick USA / Zölle auf Maschinenbau (gtai.de)
- wirtschaftsticker.com: „US-Zölle belasten Maschinenbau: Exporte sinken 2025 deutlich“
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel gibt den Stand der öffentlich verfügbaren Informationen zu Auftragseingang und US-Zöllen vom April 2026 wieder. Zollsätze und Handelsregelungen können sich kurzfristig ändern — für aktuelle und verbindliche Informationen zu Zollpflichten empfehle ich die Webseiten des VDMA, der GTAI und der Bundeszollverwaltung. Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.